Ungesühnt - Der Film


Familie Kahler

Verfolgung und Leiden in der Nazi-Zeit

Sie wurden verfolgt, verhaftet, schikaniert, eingesperrt

und eine von ihnen ermordet.


 

Aufgrund ihrer SPD-Zugehörigkeit waren sie Verfolgung und schwersten Repressalien ausgesetzt. Die Willkür richtete sich gegen die gesamte Familie, sie sollten es zu spüren bekommen, was es hieß "Gegner des Staates" zu sein und sich stattdessen immer noch zur SPD zu bekennen!

Die Männer kamen ins Konzentrationslager, die Frauen wurden schwersten Repressalien ausgesetzt oder kamen selbst ins KZ.

Und die Kinder, die Schwächsten von allen, kamen in "Fürsorgeerziehungslager"!
Und waren wegen der politischen Überzeugung ihrer Eltern und deren Gegnerschaft gegenüber der Diktatur, und dem damit zusammenhängenden Status, bei den Nazis als

"unwertes Leben" eingestuft! Und somit deren absoluten Willkür auf Leben und Tod ausgeliefert...Tag und Nacht...rechtlos...jahrelang...

 

Emil Hermann Kahler geb. 01.07.1903 in Wiesbaden (Ehemann von Lina Kahler)

SPD Mitglied seit 1924, Schreiner

 

Am Weihnachtsabend am 24.12.1936 wurde Emil Hermann Kahler von der Gestapo Wiesbaden verhaftet und 5 Tage aufs schwerste verhört. Am 29.12.1936 wurde er nach Frankfurt zur dortigen Gestapo verschoben und wurde in den ersten Februartagen 1936 in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert.



 

Lina Kahler geborene Lehna am 14.01.1908 in Wiesbaden

 

Am 7. März 1939 wurde sie von der Gestapo Wiesbaden abgeholt und am selben Tage zwangsweise in der Städtischen Klinik Wiesbaden zwangssterilisiert.

Zur gleichen Zeit wurden ihre Kinder der Mutter aus politischen Gründen entzogen.

Vom 20.03.1939 bis Kriegsende mußte sie Zwangsarbeit verrichten.

Sie sah ihre Kinder und ihren Mann erst 1945 wieder!

 







 

Emil Kahler geb. 08.01.1932 in Wiesbaden (Sohn von Lina Kahler)

 

Emil wurde mit 7 Jahren am 7. März 1939 mit seinen jüngeren Geschwistern in "Fürsorgeerziehungslager" verfrachtet und eingesperrt und als einer der wenigen Überlebenden 1945 befreit. Der erlebte Schrecken, den er dort erleben mußte, ist unbeschreiblich. Emil war in folgenden Einrichtungen: Kalmenhof, Scheuern und 

auf dem Karlshof in Wabern.

Ein allgemein nicht bekannter Aspekt: In der Nazizeit in Wiesbaden war es die Regel, dass Kinder von Kommunisten und Sozialdemokraten in sogenannte Erziehungsanstalten verfrachtet, dort als "unwertes Leben" eingestuft und somit zur Vernichtung freigegeben wurden. Viele Kinder überlebten es nicht.






 

Heinrich Kahler geb. 04.01.1935 in Wiesbaden (Sohn von Lina Kahler)


Heinrich wurde am Dienstag den 7.März 1939 von zuhause gewaltsam abgeholt und zusammen mit seinen Geschwistern in den Kalmenhof eingeliefert, verbrachte dort 6 Monate, ehe er mit seinem Bruder Emil in die Einrichtung Scheuern verlegt wurde. Im Jahre 1943 im Alter von 8 Jahren wurde er als billige Kinderarbeitskraft einer ansässigen Bauernfamilie übergeben. 

Heinrich mußte bis Kriegsende siebenmal in der Woche, in der Regel von frühmorgens bis spätabends, schwerste Arbeiten verrichten. 



 

Irmtrud Kahler geb. 28.08.1933 in Wiesbaden (Tochter von Lina Kahler)

 

Irmtrud, auch „Irmchen“ genannt wurde in den frühen Morgenstunden des 07.03.1939 von zuhause entrissen und sofort zum Idsteiner Kalmenhof gebracht. Eine damalige Mordanstalt, deren leitender Arzt Hans Bodo Gorgaß, von den anderen am Vernichtungsprogramm mitbeteiligten Ärzten als „Metzger“ bezeichnet, den Tod von tausenden Menschen zu verantworten hatte...

Er war mitverantwortlich, daß Ende 1939 im Rahmen der Aktion T-4 der Kalmenhof endgültig als perfide und perfekte Mordanstalt ausgebaut wurde.
Ab nun wurde dort regelmäßig und geplant getötet. Es wurden, wie die Nazis es nannten, „unnütze Fresser“ und „unwertes Leben“ ausselektiert und gnadenlos massenhaft zu Tode gebracht! Meistens durch Vergasen oder Phenolspritzen ins Herz, was sofort zum Tode führte. Unter ihnen befanden sich auch unzählige politische Gefangene oder deren Kinder...die kurzerhand für „geisteskrank“ und „lebensunwert“ erklärt wurden...

Am 24.August 1941 gab Hitler die mündliche Weisung, die Aktion T-4 zu beenden und das Töten einzustellen.Diese Weisung beruhte auf dem Druck der Kirchen und
der Öffentlichkeit. Das Kindermorden wurde jedoch fortgesetzt.
Es wurde eine „Kinderfachabteilung“ im zweiten und dritten Stock des Kalmenhofer Krankenhauses eingerichtet. Getötet wurden hier die Kinder meist durch Vergiftung mit Medikamenten, durch Giftspritzen ins Herz oder einfach durch Verhungern. Es betraf Kinder mit geistigen Behinderungen, wie auch völlig gesunde Kinder, die aus Sicht der Nationalsozialisten als asozial und unwertes Leben eingestuft waren.

Ein Zeuge im späteren Kalmenhof-Mordprozess beschrieb es eindrucksvoll vor Gericht:

"Viele ermordete Kinder hatten keine geistigen oder körperliche Behinderungen, sondern waren einfach nur unbequem, und aufgrund der politischen Gegnerschaft ihrer Eltern in den Kalmenhof eingeliefert worden“!

Der von 1932-1947 in Idstein-Kalmenhof ansässige Pfarrer Boecker notierte in seinem Kirchenbuch zu jener Zeit: "Im Kalmenhof regiert jetzt der Tod bei den Kindern“!!!


Wie durch ein Wunder überlebte Irmtrud, auch durch die helfende Hand von der im Kalmenhof Beschäftigten Loni Franz (1905-1987) nach der später eine Idsteiner Strasse 

benannt wurde.
„Irmchen“ überlebte trotz aller Widrigkeiten sechs ganze Jahre auf dem Kalmenhof,
Selektion...für Selektion...mit fünf ganzen Jahren kam sie dorthin...mit fast 12 Jahren
kam sie befreit wieder heraus...brachte später drei erfolgreiche Kinder zur Welt,
und war ihr Leben lang sozial tätig gewesen...




 

Wilhelm Lupp geb. 04.01.1883 in Wiesbaden-Frauenstein (Stiefvater von Lina Kahler)

SPD Mitglied seit 1901 (Mitgliedsnummer 5834), Polizeihauptwachtmeister

 

Nachdem er in den Jahren 1934 und 1935 mehrere Male in Haft genommen wurde, klingelte bei ihm in den frühen Morgenstunden des 15.10.1936 die Gestapo an der Türe,

verhaftete ihn und verbrachte ihn umgehend in das Gebäude der Geheimen Staatspolizei in der Wiesbadener Paulinenstraße 9 zum Verhör. Von dort wurde er ins KZ Dachau eingeliefert.


 

Wilhelmine Lupp geb. 17.02.1891 in Wiesbaden, verwitwete Lehna (Mutter von Lina Kahler)

 

Am 8. Juli 1939 wurde Wilhelmine Lupp zusammen mit ihrer Tochter Margarethe wegen regimekritischen Äußerungen verhaftet und umgehend ins Konzentrationslager Ravensbrück verfrachtet.



 

Margarethe Lupp geb. 19.03.1922 in Wiesbaden-Frauenstein (Halbschwester von Lina Kahler) Schülerin

 

Am 8. Juli 1939 wurde Margarethe Lupp zusammen mit ihrer Mutter wegen gemeinsamen regimekritischen Äußerungen verhaftet und umgehend ins KZ

Ravensbrück verfrachtet. Im November 1939 verstarb Margarethe Lupp.

Angegebene Todesursache der KZ-Häscher: "Lungenentzündung"

 

Margarethe wurde 17 Jahre alt!



 

Unseren Vater Emil Kahler, seine Geschwister und die anderen überlebenden Verwandten haben wir nicht ein einziges mal darüber jammern gehört, dass sie sich wegen diesen Ereignissen und all diesem schrecklich Erlittenen, was sie in der Nazizeit erlebten, sich jemals beklagten oder beschwerten.

 

Roland Kahler und Jürgen Kahler



 

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