Ungesühnt - Der Film


Ungesühnt erklärtes Ziel ist es soviel Authentizität wie möglich einzuarbeiten, dort anzufangen wo andere Holocaustfilme aufhören, das unmenschliche aufzuspüren, an Orten, in Zeiten, in Aussagen des Holocausts wo sie vorhanden waren. Um damit den Zuschauer zu konfrontieren und den Opfern die Gewissheit zu geben, sie nicht zu vergessen. Die Taten können letztendlich nur ungesühnt bleiben, aber der Film soll daran erinnern und dazu beitragen, dass so etwas niemals mehr geschehen darf.

Der Film Ungesühnt zeigt das Schicksal von jüdischen Kindern im Holocaust und beschreibt in 41 Episoden aus Original-Zeugenaussagen (alle aus Kriegsverbrecher-Prozessen) die Ermordung und das Leiden von jüdischen Kindern in der Zeit von 1939 - 1945: angefangen mit 20 jüdischen Kindern im Alter von 5 - 12 Jahren am Bullenhuser Damm in Hamburg wo die Kinder in der Nacht zum 21. April 1945 an Haken erhängt wurden. Weitere Episoden des Filmes berichten unter anderem über den Februar 1943 in Auschwitz, wo 30 - 40 jüdische Kinder an einem einzigen Nachmittag mit Phenolspritzen ins Herz ermordet wurden. Eine weitere Zeugenaussage aus einem Kriegsverbrecherprozeß beschreibt eindringlich die Schrecken einer Gaskammer: "Wenn die Gaskammern voll waren, ging das Sterben schneller. Wenn weniger Menschen drin waren, dauerte es länger. Die längste Zeit war zwanzig Minuten, die kürzeste 5 - 6 Minuten. Die kleinen Kinder wurden hineingeworfen, wenn die Gaskammern schon voll waren, über die Köpfe der Erwachsenen hinweg..."


 

Ungesühnt endet mit dem eindrucksvollen Auschwitz-Appell von ehemaligen überlebenden Auschwitz-Kindern an die Weltöffentlichkeit mit der Aussage:"Nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz!"


 

Ungesühnt benutzt ausschließlich historisches Bildmaterial, das von Chronos Film GmbH angekauft wurde. Der Film wurde auf 35mm Kinoformat erstellt.

Die Tonarbeiten gingen über mehrere Wochen und gestalteten sich als sehr mühsam. Grund: die Gefühle der einzelnen Sprecher und Sprecherinnen waren vom Inhalt der Texte dermaßen erschüttert, daß sie, was öfters vorkam, mittendrin im Text stoppten und aufhören mußten und unter Tränen das Tonstudio verließen.

Bei den Sprechern und Sprecherinnen handelte es sich auschließlich um sorgsam ausgewählte und gefühlvolle, den Texten angemessene Stimmen.

Um nur eine von ihnen zu nennen: Erika Hesse, Schauspielerin am Hessischen Staatstheater.

Untermalt wird Ungesühnt von Gedichten und der Musik von Oberkantor Estrongo Nachama zusammen mit dem RIAS Kammerchor.


 

Verwendet wurden protokollierte Aussagen aus Kriegsverbrecherprozessen, sorgfältig ausgewählt unter der Beratung von Ronny Loewy:

1.Auschwitz-Prozeß 1964 2.Treblinka Prozeß 1965 3.Sachsenhausen-Prozeß 1958 4.Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg und die Nachfolge-Prozesse in Nürnberg 5. Eichmann Prozeß 1961 6.Akten der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main


 

Rezeption

 

„Diese Texte wurden von Erika Hesse, Friederike Scholz, Wilhelm Poli, Jutta Schmidt und Christine Oschmann sehr eindringlich vorgelesen.“
– Wiesbadener Kurier vom 16. November 1996

 

„Kinder im Holocaust: Ungeschminkte Wahrheit. Kahlers Konzept mit der deutschen Vergangenheit umzugehen, bedarf sicherlich der Diskussion.“
– Kitzinger Zeitung vom 22. Februar 1997

 

„Ungeschminkte Wahrheiten zu Verbrechen an Kindern im Holocaust.“
– Main-Post vom 4. März 1997

 

„Das Echo auf "Ungesühnt" wird vermutlich geteilt sein. Und doch ist jeder noch so lautstarke Streit hundertmal besser als lähmendes Vergessen.“
– Main-Post vom 21. März 1997

 

„Film "Ungesühnt" in der Alten Synagoge löst tiefe Betroffenheit unter den Besuchern aus...Daß der Film unter die Haut ging, bewies die Ruhe nach der Vorführung: es herrschte betroffenes Schweigen in der Runde.“
– Kitzinger Zeitung vom 22. März 1997

 

„… wird der Film zu einem erschütternden zeitgeschichtlichen Dokument. Originalfilme von Kz-Wächtern, die ihre Taten selbst filmten, lassen den Zuschauer auch nach dem Film nicht los und sorgen für Diskussionsbedarf…“
– Auszug aus der Presseinformation der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung vom 17. Mai 2011


 

Hintergründe


Kahlers Beweggrund, einen solchen Film zu machen, sind Erfahrungen und Erlebnisse seiner eigenen verfolgten Familie. Der Großvater wurde 1936 von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager eingewiesen. Die Großmutter wurde von den Nazis am 7. März 1939 zwangssterilisiert. Kahlers Vater, sein Onkel und seine Tante wurden als Kinder abgeholt und in Zwangserziehungslager geschickt.


Ungesühnt ist in die The Hebrew University Steven Spielberg Film Archives in Jerusalem aufgenommen unter System Number 000278840 (Call no. VT 00479).


Premiere war am 14. November 1996 in der Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) im Biebricher Schloss. Weiterhin wurde Ungesühnt unter anderem aufgeführt am 19. März 1997 in der Synagoge Kitzingen, am 5. April 1998 in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und am 31. Mai 2011 gab es eine Sondervorstellung im Filmtheater der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden.


Musik: Estrongo Nachama, der ehemalige Oberkantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, stellte für Ungesühnt die Musik zur Verfügung.


 


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